Professionelle Content-Management-Systeme müssen heute weit mehr leisten als nur Inhalte zu verwalten. Mehrere Redakteure, Freigabeprozesse, zeitgesteuerte Veröffentlichungen und fein abgestufte Berechtigungen gehören inzwischen zum Standard vieler Unternehmenswebsites, Behördenportale und Nachrichtenplattformen. Doch wie groß sind die Unterschiede zwischen den bekannten CMS tatsächlich?

Während viele Anwender den Funktionsumfang ausschließlich anhand des Editors oder der Template-Auswahl bewerten, entscheidet in der Praxis häufig das Rechte- und Workflow-System über die langfristige Eignung eines CMS. Gerade bei mehreren Redakteuren oder klar getrennten Verantwortungsbereichen werden leistungsfähige Berechtigungskonzepte schnell unverzichtbar.

Berechtigungen sind mehr als Benutzerrollen

Die meisten Content-Management-Systeme unterscheiden zunächst zwischen verschiedenen Benutzerrollen wie Administrator, Redakteur oder Autor. Für kleinere Websites ist dieses Modell häufig ausreichend.

Mit zunehmender Größe steigen jedoch die Anforderungen. Typische Fragestellungen lauten beispielsweise:

  • Darf eine Redaktion ausschließlich Inhalte einer bestimmten Abteilung bearbeiten?
  • Darf ein Benutzer nur einen bestimmten Seitenbereich verwalten?
  • Wer darf Inhalte veröffentlichen oder lediglich zur Freigabe einreichen?
  • Welche Inhalte dürfen einzelne Benutzer überhaupt sehen?

Hier zeigt sich schnell, wie leistungsfähig das jeweilige Berechtigungssystem tatsächlich ist.

Joomla: Umfangreiche ACL bereits im Core

Joomla verfügt seit Version 1.6 über ein integriertes ACL-System (Access Control List), das kontinuierlich erweitert wurde und heute zu den leistungsfähigsten Berechtigungssystemen im Open-Source-Bereich gehört.

Bereits ohne zusätzliche Erweiterungen können Berechtigungen unter anderem für folgende Bereiche vergeben werden:

  • Komponenten
  • Kategorien
  • Menüs
  • Module
  • Medien
  • Kontakte
  • Tags
  • Banner
  • Benutzergruppen

Dabei lassen sich Aktionen wie Erstellen, Bearbeiten, Bearbeiten eigener Inhalte, Status ändern oder Löschen individuell für jede Benutzergruppe definieren.

Praxisbeispiel:
Eine Marketingabteilung erhält ausschließlich Zugriff auf ihre eigene Kategorie, während die Personalabteilung ausschließlich Stellenanzeigen verwalten darf. Beide Teams arbeiten unabhängig voneinander im selben Joomla-System.

Redaktionelle Workflows direkt integriert

Seit Joomla 4 stehen zusätzlich vollständige redaktionelle Workflows zur Verfügung, die selbstverständlich auch Bestandteil von Joomla 5 und Joomla 6 sind.

Damit lassen sich beliebig viele Bearbeitungsphasen definieren, beispielsweise:

Entwurf

Fachliche Prüfung

Lektorat

Freigabe

Veröffentlicht

Für jeden Schritt kann festgelegt werden,

  • welche Benutzergruppen den Status sehen dürfen,
  • wer Inhalte in den nächsten Schritt überführen darf,
  • wer Beiträge veröffentlichen darf und
  • wer Inhalte zur Überarbeitung zurückweisen kann.

Mehrere voneinander unabhängige Workflows innerhalb einer Installation sind ebenfalls möglich.

Versionierung schützt vor Datenverlust

Ein weiterer Bestandteil des Joomla-Cores ist die integrierte Versionierung. Jede Änderung an einem Beitrag kann gespeichert und bei Bedarf wiederhergestellt werden.

Dadurch lassen sich:

  • frühere Bearbeitungsstände vergleichen,
  • Änderungen nachvollziehen und
  • ältere Versionen jederzeit wiederherstellen.

Gerade bei umfangreichen redaktionellen Änderungen stellt dies einen erheblichen Sicherheitsgewinn dar.

Check-in und Check-out verhindern Bearbeitungskonflikte

Arbeiten mehrere Redakteure gleichzeitig an einer Website, entstehen häufig Konflikte durch parallele Bearbeitungen.

Joomla löst dieses Problem mit dem integrierten Check-in-/Check-out-System. Sobald ein Beitrag geöffnet wird, ist für andere Benutzer sichtbar, dass dieser aktuell bearbeitet wird. Unbeabsichtigtes Überschreiben wird dadurch zuverlässig verhindert.

Zeitgesteuerte Veröffentlichungen

Bereits seit vielen Jahren unterstützt Joomla zeitgesteuerte Veröffentlichungen über die Felder Publish Up und Publish Down.

Damit können Inhalte automatisch:

  • zu einem definierten Zeitpunkt veröffentlicht und
  • zu einem späteren Zeitpunkt wieder deaktiviert werden.

Typische Einsatzbereiche sind:

  • Marketingkampagnen
  • Pressemitteilungen
  • Stellenangebote
  • Veranstaltungen
  • zeitlich begrenzte Aktionen

Ein manuelles Eingreifen der Redaktion ist hierfür nicht erforderlich.

Wie schlagen sich andere CMS?

CMSACLMehrstufige WorkflowsVersionierungZeitgesteuerte Veröffentlichung
Joomla ★★★★★ ★★★★★ Ja Ja
Drupal ★★★★★ ★★★★★ Ja Ja
TYPO3 ★★★★★ ★★★★★ Ja Ja
Craft CMS ★★★★★ ★★★★★ Ja Ja
Statamic ★★★★☆ ★★★★☆ Ja Ja
ProcessWire ★★★★★ ★★★☆☆ Ja Ja
WordPress ★★☆☆☆ ★☆☆☆☆ Ja Grundfunktionen vorhanden

Während Enterprise-orientierte Systeme wie Joomla, Drupal oder TYPO3 viele dieser Funktionen bereits im Standardumfang enthalten, setzen andere Systeme häufig auf ein schlankes Kernsystem, das je nach Projektanforderung durch Erweiterungen ergänzt wird.

Nicht jede Website benötigt Enterprise-Funktionen

Ein umfangreiches Berechtigungssystem ist nicht automatisch für jedes Projekt erforderlich. Kleine Vereinsseiten oder private Blogs kommen oft problemlos mit wenigen Benutzerrollen aus.

Sobald jedoch mehrere Abteilungen, externe Redakteure oder Freigabeprozesse beteiligt sind, gewinnen strukturierte Workflows und eine präzise Rechteverwaltung erheblich an Bedeutung.

Bereits einfache Anforderungen wie:

  • eine Redaktion pro Geschäftsbereich,
  • mehrere Freigabestufen,
  • zeitgesteuerte Veröffentlichungen oder
  • nachvollziehbare Änderungen

lassen sich mit einem leistungsfähigen Core deutlich einfacher und wartungsärmer umsetzen.

CMS-Vergleich: Berechtigungen & Redaktionelle Workflows

FunktionJoomlaDrupalTYPO3Craft CMSStatamicProcessWireWordPress
Feingranulare ACL ★★★★★ ★★★★★ ★★★★★ ★★★★★ ★★★★☆ ★★★★★ ★★☆☆☆
Mehrstufige Workflows ★★★★★ ★★★★★ ★★★★★ ★★★★★ ★★★★☆ ★★★☆☆ ★☆☆☆☆
Versionierung
Check-in / Check-out
Publish Up / Down Teilweise
Alles im Core enthalten Ja Ja Ja Ja Ja Weitgehend Teilweise
Fazit: Joomla zählt zusammen mit Drupal und TYPO3 zu den Open-Source-CMS mit dem größten Funktionsumfang im Bereich Berechtigungen und redaktioneller Workflows. Viele professionelle Anforderungen werden bereits durch den Core abgedeckt.

Fazit

Joomla gehört heute zu den Open-Source-CMS mit dem umfangreichsten Funktionsumfang im Bereich Berechtigungen und redaktioneller Prozesse. Das integrierte ACL-System, mehrstufige Workflows, Versionierung, Check-in/Check-out sowie zeitgesteuerte Veröffentlichungen stehen bereits ohne zusätzliche Erweiterungen zur Verfügung.

Gemeinsam mit Drupal und TYPO3 zählt Joomla damit zu den Systemen, die viele professionelle Anforderungen bereits im Core erfüllen. Für Unternehmen, Behörden, Bildungseinrichtungen oder Nachrichtenportale bedeutet dies weniger Abhängigkeiten von Drittanbieter-Erweiterungen, eine konsistentere Administration und langfristig eine einfachere Wartung der gesamten Plattform.


Hinweis zur Auswahl der verglichenen CMS: Die aufgenommenen Systeme wurden nicht ausschließlich nach Marktanteil ausgewählt, sondern nach ihrer Relevanz für professionelle redaktionelle Websites und ihrer Eignung für einen Vergleich von Berechtigungen, Workflows und Inhaltsstrukturen. Berücksichtigt wurden insbesondere ein eigenständiges Rollen- und Rechtemodell, Unterstützung für redaktionelle Prozesse und Versionierung, die Verbreitung in professionellen Projekten, unterschiedliche technische Architekturansätze sowie die Möglichkeit eines selbst betriebenen Systems. Die Auswahl ist daher als repräsentativer Querschnitt verschiedener CMS-Konzepte zu verstehen und nicht als vollständige Marktübersicht.

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